Die Schönheiten erwachen aus dem Winterschlaf

So langsam aber sicher geht es wieder in Richtung Frühling. Auch wenn der Winter überwiegend nicht wirklich einer war, die zweirädrigen Schönheiten hielten trotzdem ihren wohlverdienten Winterschlaf.

Langsam kann man aber schon damit beginnen, die Schätzchen für die kommende Saison vorzubereiten. Schließlich dauert das ja eine Weile und die Vorfreude lässt die Zeit bis zum ersten gemeinsamen Ausflug dieser Saison umso kürzer erscheinen.Was für den Einen jährliche Routine ist, ist für so manchen Neu-Biker eine Art Feuertaufe.

Wir stellen hier ein paar Tätigkeiten vor, die man auf jeden Fall nicht vernachlässigen sollte und die man, im Normalfall, auch als Neueinsteiger selbst machen kann.

  • Ein gründliches Bad ob man diesen Punkt zuerst macht, oder erst, wenn alles andere abgeschlossen ist, bleibt jedem selbst überlassen. Wichtig ist nur es überhaupt zu tun. Dabei sollte man auch die schwer zugänglichen Stellen- ruhig auch mit der Zahnbürste – abschrubben. Also auch hinter den Federbeinen, den Seitenabdeckungen und Lampenhalterungen. Alle Aufbauten, die relativ leicht zu entfernen sind, sollten für die Reinigung abgenommen werden. Am Schluss alles mit viel klarem Wasser abspülen um Putzmittelrückstände zu vermeiden. Dabei sollte man allerdings auf den Einsatz von Hochdruckreinigern verzichten. Zwar lösen diese auch in den Winkeln und Ecken den Schmutz, allerdings kann es bereits bei kleinerer Unachtsamkeit zu Schäden an der Verkabelung und der Elektrik kommen. Darüber hinaus gibt es auch an einem Motorrad sensible Teile, die dem punktuellen Druck eines Hochdruckreinigers nicht gewachsen sein könnten.
  • Flüssigkeitsstände prüfen Vor allem die sicherheitsrelevanten Flüssigkeitsstände sollte man in regelmäßigen Abständen überprüfen. So z.B. auch den Stand der Bremsflüssigkeit, sowie des Motoröls und Hydrauliköls(soweit vorhanden). Auch die Batterie dankt Ihnen eine solche Prüfung. Sehen Sie sich den Säurestand dieser an und füllen Sie bei Bedarf destilliertes Wasser nach. Reinigen Sie die Pole der Batterie und fetten sie anschließend ein.
  • Funktionstests machen Zusätzlich zur Prüfung der Flüssigkeitsstände sollten noch alle Teile einem Funktionstest unterzogen werden. Greift z.B. die Bremse bei Betätigen des Bremshebels direkt und straff, oder fühlt es sich schwammig an? Prüfen Sie die Lichtanlage – Brennen alle Lämpchen und Lichter? Funktionieren die Blinker, Bremsleuchten, etc.?
  • Sichtprüfungen vornehmen So manchen Mangel kann man bereits mit einer einfachen Sichtprüfung erkennen. Vergessen Sie hierbei auch nicht einen Blick auf das Innenleben der Bremsen zu werfen. Bei Scheibenbremsklötzen sind 2 mm Belag auf der Trägerplatte Minimum. Bei Trommelbremsen findet man an der Bremsankerplatte eine entsprechende Markierung. Prüfen Sie auch Gestänge und Seilzüge auf Spielraum. Prüfen Sie auch, ob evtl. Bremsen festsitzen. Dies geht am besten in aufgebocktem Zustand, wobei man dann überprüfen kann, ob das Rad freigängig ist und sich von Hand drehen lässt. Prüfen Sie außerdem Kette und Ritzel. Weisen z.B. de Zahnräder Abnutzungen auf, kann das u.U. unangenehme Folgen haben. Auch die Elektrik sollten Sie zumindest einer Sichtprüfung unterziehen. Testen Sie die Kabel auf Quetschungen oder Klemmspuren. Hier könnte ein Kabelbruch vorliegen.
  • Spielräume überprüfen Prüfen Sie das Kupplungsspiel. Eine Toleranz von bis zu 5 mm ist unbedenklich. Die Gelenke des Bremsgestänges freuen sich über ein paar Tropfen Feinmechanik Öl. Danach wird das Fahrwerk überprüft. Vergewissern Sier sich, dass das Restprofil auf den Reifen mehr als 1,6 mm beträgt – und das an jeder Stelle der Lauffläche. Haben Sie so genannte „tubeless“ Reifen – also Reifen ohne Schläuche und sind diese halb platt, haben Sie sich wahrscheinlich einen Fremdkörper eingefahren. Prüfen Sie in diesem Fall besonders gründlich auf eingefahrene Schrauben, Nägel etc. Handelt es sich um Reifen mit Schlauch, können Sie davon ausgehen, dass diese porös geworden sind und sollten – zumindest beim nächsten Reifenwechsel auch die Schläuche tauschen. Die Ventile auf Dichtigkeit zu prüfen ist unkompliziert. Hier kommt der gute , alte Spucke-Test zur Anwendung. Etwas aufwändiger ist da die Prüfung des Lenkkopflagers. Hierzu benötigt man eine zweite Person, die bei der aufgebockten Maschine auf dem Sozius Platz nimmt und zwar so, dass das Vorderrad frei kommt. Die Gabelholme werden dann in Geradeaus-Stellung zur Fahrtrichtung hin vor- und zurückbewegt. Ist hier ein Spiel feststellbar, ist ein Werkstattbesuch fällig.
  • Ist alles dicht? Schließlich überprüfen Sie die Gabelholme und Federbeine auf Öl-Verschmutzungen, welche auftreten, wenn Undichtigkeiten vorhanden sind. Auch hier gilt, bei Auffälligkeiten ab in die Werkstatt, denn hier ist dann keine Dämpfung mehr gegeben und die Maschine kann unkontrolliert reagieren. Schmieren, bzw. fetten Sie dann alle beweglichen Teile ein, soweit erforderlich und gönnen Sie ruhig auch den Kontakten etwas Kontaktspray. Wer die technischen Fähigkeiten dazu hat, kann auch noch die Zündkerzen austauschen, Motorölwechsel und Ölfilterwechsel durchführen. Kleiner Tipp für den Wechsel der Zündkerzen: Fetten Sie die Kerzen am Gewinde mit etwas Graphitfett oder Kupferfett ein, das verhindert Korrosionen und ziehen Sie die Kerzen beim Einsetzen nicht zu fest an. Zusätzlich kann ein bisschen Vaseline auf der Innenseite der Kerzenstecker unangenehme Aussetzer durch eindringende Feuchtigkeit, z.B. bei Regen Fahrten, verhindern.
  • Finish für die Optik Nachdem das Schmuckstück jetzt gebadet ist und allerlei Checks hinter sich hat und technisch fit ist für die Saison, kann man noch einige Zeit für die perfekte Optik aufwenden. Auf jeden Fall sollte man sich der Beseitigung von Flugrost widmen. Anschließend wird aufpoliert und gewienert. Hierzu gibt es verschiedene Tricks und Hausmittelchen. Zuletzt kommt eine schützende Schicht Hartwachs obendrauf. Achten Sie aber bitte darauf, dass die Bremsscheiben von diesem Überzug verschont bleiben!

Dann kann es auch schon losgehen – der ersten Ausfahrt steht nichts mehr im Weg. Denken Sie aber vor der ersten größeren Tour noch einmal an einen Zwischenstopp an der Tankstelle – nicht nur fürs Benzin, sondern auch um den Luftdruck in den Reifen zu prüfen. Bei der ersten Ausfahrt sollten sie auch erstmal zaghaft die Bremsen vom Flugrost befreien. Und nun wünschen wir Ihnen eine

Gute Fahrt!