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Fahrbericht Triumph Thunderbird
06.12.2009

Triumphaler Donnervogel


Es gibt nicht wenige Zeitgenossen, in denen wohnen zwei Seelen: die eine lechzt nach Hubraum, die andere scheut große Zylinderansammlungen. Six-Packs wie die legendäre F6C von Honda oder die Reihensechser der 80er Jahre können diese Menschen deshalb nur teilweise befriedigen, während Vierzylinder als Massenware abgetan werden. Denn die Hälfte tut es doch auch! Und so griff der Freund voluminöser Bikes meist zum V2 aus japanischer oder US-amerikanischer Produktion.

Jetzt gibt es jedoch eine echte Alternative: die Thunderbird. Mit ihr beweist die britische Traditionsschmiede Triumph erneut, dass man keine Bange haben muss vor großen Hubräumen. Denn das faszinierende Bike schöpft satte 1,6 Liter aus zwei Zylindern. Und weil die auch noch klassisch aufrecht in Reihe stehen, und der Rest der Maschine in opulentem Styling schwelgt, eröffnen sich den Freunden großformatiger Cruiser völlig neue Möglichkeiten. Höchste Zeit also, den Donnervogel zu reiten …

Einen solchen hatte Triumph übrigens schon einmal im Programm - damals, Anfang der 50er Jahre, als es der britischen Motorradindustrie noch richtig gut ging. Erstmals als Thunderbird bezeichnet wurde die Triumph 6T von 1951: heute genießt sie in der Klassikerszene einen ausgezeichneten Ruf - Spitzenexemplare kratzen schon mal an fünfstelligen Bereichen.

An diesen feinen Ruf sollte auch der neue ‚Donnervogel' anknüpfen. Und deshalb durften die Herren Ingenieure aus dem Vollen schöpfen. Resultat ist erneut ein Superlativ, denn in der Thunderbird kommt der weltgrößte Paralleltwin zum Einsatz. Der komplett neue, drehmomentstarke T-16-Motor mit 1.600 Kubik leistet nicht nur 86 PS, sondern liefert auch ein maximales Drehmoment von 146 Nm bei 2.750 Touren. Und wem selbst das nicht genügt, der findet im offiziellen Zubehörangebot den passenden 1.700 Kubik-Kit für 679 Euro, der die Leistung auf 97 PS, das Drehmoment auf 156 Newtonmeter steigen lässt. (Aktenvermerk an den Herausgeber: Sollte bei Gelegenheit unbedingt vorgestellt werden…)

Klar - jetzt werden wieder irgendwelche Besserwisser auf die nicht minder deftige Rocket verweisen, die mit sattem 2,3-Liter-Motor für Dampf ohne Ende sorgt. Die ist aber keine Konkurrenz zur Thunderbird - und das ist jetzt nicht negativ gemeint. Vielmehr schließt diese die Lücke zwischen den verschiedenen Bonneville-Varianten und eben der Rocket III. Aber nicht nur einfach so als Lückenfüller, sondern sehr, sehr eigenständig.

Der wirklich gelungene Twin der Thunderbird wird über zwei Drosselklappenkörper mit 42 Millimetern Durchmesser mit Treibstoff versorgt sowie einem durchaus pfiffigen elektronischen Einspritzsystem, das jenem der gänzlich anders gestrickten Daytona 675 ähnelt. Behutsames Öffnen des Gasgriffs sorgt hierbei für eine eher gelassene Kraftentfaltung, wie sie ideal zum gediegenen Cruisen passt. Frei nach dem Motto: Ich grinse mir einen, die Welt schaut schon vorbei, wenn sie was von mir will.

Es gibt aber auch jene Situationen, in denen die Welt nicht einfach nur vorbeischaut, sondern auch gleich noch zum Abendessen bleiben möchte. Hier hilft das beherzte Öffnen des Gasgriffs, was wiederum die Steuerung erkennt, die dann den maximal möglichen Vortrieb bereitstellt. Dies sorgt für ein mehr als nachdrückliches Beschleunigungserlebnis direkt ab Standgas. Das Temperament des flüssigkeitsgekühlten Zweitopfs ist nicht zu unterschätzen.

Zum Glück hält sich jedoch der Verbrauch der mit Kat und Sekundärluftsystem ausgerüsteten Triumph in Grenzen: 5,3 Liter Super waren es bei unserem Test im Schnitt auf 100 Kilometer. Zu verdanken ist dies auch dem lange übersetzten sechsten Gang, der Tempo 120 bei nicht einmal 3.000 Touren ermöglicht. Somit sind in Kombination mit dem 22-Liter-Tank Etappen von über 400 Kilometern drin. Falls sich jemand aus dem leider nicht abschließbaren Tank bedient, können es aber auch ein paar weniger sein…

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