|
Seit Tagen schwelgt der Frühling 2009 in milden Temperaturen, und selbst in höheren Lagen grünt es merklich. "Ein gerechter Ausgleich für den miesen, viel zu lange andauernden Winter", denkt sich der glückliche Biker. Doch pünktlich zur Präsentation der neuen Benelli TreK 899 schaut die zu Recht verabscheute Schmuddel-Jahreszeit nochmals kurz im Schwarzwald vorbei, der die Bühne bieten soll für das Debüt der jüngsten Benelli.
Mit ihr besinnt sich die italienische Traditionsschmiede auf jenen Motor, mit dem die jüngere Firmengeschichte begann - das war in der Tornado. Dann jedoch kam die deftige 1130 und stahl dem kleineren Drilling die Schau. Zu Unrecht, wie die neue TreK 899 beweist, die ab sofort für 10.390 Euro im Angebot ist - und ein überraschend vernünftiges Modell darstellt, ist doch der drehfreudige Kurzhuber eine günstige Alternative zur 1130, ohne dass man deshalb auf jede Menge gut dosierbaren Fahrspaß verzichten müsste.
Denn der kernige Dreizylinder-Reihenmotor liefert seine Kraft weniger brachial ab als der stärkere 1130er - wobei man auch dann nicht unbedingt von einem Einsteigerbike sprechen sollte angesichts der 112 PS oder des maximalen Drehmoments von 79 Newtonmetern. Erreicht werden diese Werte bei 9.000 beziehungsweise 6.250 Touren.
All dies sorgt für völlig ausreichenden Schub - deshalb dürfte die jüngste Benelli auch jene Kradler ansprechen, die sich nicht fanatisch jenseits eines Liters Hubraum bewegen müssen. Das war schon bei der 2008 eingeführten TnT 899 der Fall - die eine Alternative zur TnT 1130 darstellt - und betrifft nun auch den Neuzugang im Modellprogramm. Darüber hinaus dürfte die neue Bescheidenheit in Sachen Hubraum auch den Trinksitten entgegenkommen, die selbst bei forcierter Gangart deutlich unter jenen der 1130, und im Alltag wohl bei gut sechs Litern liegen dürften.
Soviel zur Vernunft - kommen wir wieder zu den Emotionen, und die weiß der solide Drilling durchaus zu wecken. Dass das von der 1130 übernommene Fahrwerk mit der kräftigen 50-mm-Upside-down-Gabel dabei kaum überfordert wird, liegt auf der Hand. Enge Verwandtschaftsbeziehungen erkennt man auch in der Optik, die die kleine Schwester genauso mit der großen teilt wie die raffinierte Führung des Auspuffs unter dem Sitz. Auch der immerhin 22 Liter fassende Tank oder die straffe Sitzposition sind alte Bekannte. Leider jedoch wird die dünne Polsterung nach einigen Stunden zunehmend unbequem. Für lange Urlaubsreisen gibt es nun wirklich passendere Begleitfahrzeuge, zumal es auch an Gepäckhaken mangelt. Die sind jedoch - wenn man es realistisch betrachtet - an der Benelli ebenso unnötig wie ein später Wintereinbruch im Schwarzwald.
Dort fühlt sich die Benelli durchaus wohl, ist sie doch wie geschaffen für den gepflegten Ritt über die Landstraße - denn hier ist die grimmig blickende Benelli in ihrem Element, hier sorgt der fein ansprechende Zwölfventiler ebenso für Fahrfreude wie das gute Fahrwerk. Generell muss man in diesem Zusammenhang auch die deutlich verbesserte Qualität bei Benelli betonen. Ob das in der Tatsache begründet liegt, dass die 1911 gegründete italienische Marke seit 2005 zur chinesischen Qianjiang-Gruppe gehört, sei einmal dahingestellt. Spürbar ist es allemal, wie auch die entspanntere Modellpolitik. Wirkten die Bikes in der Vergangenheit mitunter wie mit der heißen Nadel gestrickt, so lässt man sich jetzt ein wenig mehr Zeit bei der Entwicklung.
|