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Viele Dinge im Leben ändern sich. Zum Glück jedoch nicht alles. Die R1 zum Beispiel ist ihren Grundzügen seit 1998 treu geblieben. Extrem und sportlich war sie schon immer, was jedoch keinen zwangsläufiger Nachweis für ihre Qualität darstellt. Erst die fleißige und beständige Arbeit der Techniker an den unendlichen Details des Motors, des Fahrwerks und der Ergonomie zeigen auf, dass man Gutes durchaus noch verbessern kann.
Für den Jahrgang 2009 hat Yamaha die supersportliche Oberliga einigermaßen auf den Kopf gestellt: Mit dem Mix aus neuem Big Bang-Motor mit 90-Grad-Kurbelwelle und pfeilschnellem Fahrwerk, trifft sie exakt ins Herz sportlich orientierter Fahrer. Deshalb verwundert es nicht, dass gegenüber dem Vorgängermodell kaum ein Stein auf dem anderen blieb. Im Mittelpunkt der Entwicklung stand die verbesserte Dosierbarkeit des enormen Potentials aus den insgesamt 182 versammelten PS, die bei 12.500 U/min anstehen. Das maximale Drehmoment von 115,5 Nm steht gerade 2.500 U/min früher an. Wie erwartet geht's dazwischen ziemlich lebendig zur Sache. Doch beschreibt dies lediglich eine Seite der neuen R1.
 Sportlich gespannt bis in die Haarspitzen: Die Yamaha R1 vereint Dynamik und Funktion
Supersportler sind kantig und unbequem, bisweilen störrisch und nicht immer ganz einfach, wenn's um das tägliche Brötchen holen geht. Speziell die Vorgänger-R1 aus den Jahren 2007/08 wurde gern der Durchzugsschwäche bezichtigt. Freilich alles relativ, denn ... in Sachen Leistung hatte auch in der Vergangenheit eigentlich noch niemand wirklichen Grund zum Moppern.
Nun gut, wer meint, dass ihm die 180 Pferdchen der 'Alten' nicht genügen, bequeme 290 km/h nicht schnell genug sind, ... der darf und sollte sich die 'Neue' genauer anschauen. Obwohl, ... vom Anschauen allein, wird's auch nicht besser. Steht doch im Mittelpunkt der 2009er-R1 der erste Big Bang-Reihenvierzylinder der Motorradgeschichte. Die grundsätzlichen Unterschiede sind für Grobmotoriker nur schwerlich zu erfassen. Sensiblere Naturen spüren jedoch schon nach dem ersten Druck aufs Anlasserknöpfchen des 90-Grad-Motors den ersten Unterschied zum 180-Grad-Pendant der Vergangenheit. Der Antritt des wassergekühlten Big Bang-Fours darf bereits knapp über Leerlaufdrehzahl als kräftig bezeichnet werden. Im Vergleich zum Vorgänger geht die 2009er-R1 merklich robuster ans Werk. Um die Vibrationen im Zaum zu halten, installierte man eine gegenläufige Ausgleichswelle. Durch die veränderte Zündfolge wandelte sich der einst betont aggressive in einen homogeneren Sound, mit ausgesprochenem Hang zum Bass. Die gefühlte Drehzahl des Einspritzers liegt rund 2.000 U/min unterhalb der tatsächlichen Frequenz. Mit der Konsequenz, dass man nicht selten den Speed unterschätzt. Angesichts der gewaltigen Leistungswerte ohnehin ein Thema für sich. Nichts Neues also für sportliche Fahrer.
Schade, dass die via Bowdenzug betätigte Kupplung im kalten Zustand spürbar rupfte und sich das eng gestufte Sechsganggetriebe betont hart schalten ließ. Auch die Korrektur über die Rändelschraube am Lenker brachte keine Besserung. Ist die Betriebstemperatur jedoch einmal erreicht, weicht das einst hakelige Gefühl mehr und mehr dem harmonischen Ganzen des G.E.N.I.C.H-Konzeptes. Je sportlicher die Fahrweise, umso transparenter das Gefühl zwischen Mensch, Motor und Fahrwerk. Bis 3.000 U/min ruckelt die R1, irgendwie halt, vorwärts. Lastwechselreaktionen halten sich in Grenzen, geschmeidig lässt sich das Anlegen, um aus engen Kurven herauszubeschleunigen. Wer den spektakulären Biss sucht, wird oberhalb von 5.500 U/min fündig. Dort geht jene Post ab, die seit dem ersten Modell anno 1998 einen nicht unwesentlichen Teil der R1-Faszination ausmacht. Im Vergleich zur 2007/2008er-R1 geht's beim neuen Modell zeitiger und insgesamt gleichmäßiger zur Sache.
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