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Fahrbericht Yamaha Vmax
02.11.2008

Ein Vierteljahrhundert nach der Erstauflage beschert uns Yamaha wieder eine Vmax - wieder als stärkstes Bike der Welt und genau so atemberaubend unvernünftig wie damals. Bikersjournal.de hat sie gefahren


Rot, wann wird die Ampel endlich Rot? Jetzt fahren wir schon extra im Zuckeltempo, noch langsamer als der restliche südkalifornische Verkehr, der sich aufreizend exakt an das US-amerikanische Speedlimit von 55 mph hält. Trotzdem surfen wir weiter auf einer grünen Welle, genau so, wie die Jungs da draußen im Pazifik auf ihren Brettern. Nur kommt uns das jetzt sehr ungelegen, denn hier, auf den breiten Einfallstraßen in Richtung San Diego, wo sich sechsspurige Asphaltbänder kreuzen und Mega-Signalanlagen den Verkehr regeln, möchten wir beim Ampelstart der wahren Bestimmung unseres Motorrades auf den Zahn fühlen: der neuen Yamaha Vmax.

Rückblende: Im Jahre 1984, also vor rund fünfundzwanzig Jahren wurde die Yamaha Vmax erstmals vorgestellt - eine Zeitspanne, in dem das seinerzeit stärkste Motorrad weit und breit zur Legende reifte und eine unheimlich treue Anhängerschaft von rund 100.000 Mitgliedern rund um den Globus auf sich vereinte. Dafür war zum einen das höchst eigenwillige Design im Stil amerikanischer Muscle-Cars verantwortlich. Doch nicht zuletzt der Kick, mit damals unvorstellbaren 140 PS in einem ziemlich überforderten Fahrwerk über den Asphalt zu jonglieren, machte den Reiz dieser Macho-Maschine aus. Erinnern wir uns: In Deutschland war Yamaha die Vmax zu heikel, wer eine haben wollte, musste zum Grauimporteur gehen. Erst 1996 traute sich die deutsche Niederlassung, das Motorrad offiziell zu importieren - allerdings mit einer im Rahmen der freiwilligen Selbstkontrolle auf 100 PS gekappten Leistung, womit die Faszination futsch war.


Fett: Die neue Yamaha Vmax. Ungleich stärker als die alte. Aber auch ungleich teurer.

Jetzt also, ein Vierteljahrhundert nach der Erstauflage, belebt Yamaha den Mythos neu: Mit einer 2009er Vmax, von Grund auf neu konstruiert und mit sämtlicher Hightech des japanischen Konzerns vollgestopft, aber doch mit der gleichen Aussage wie die Ur-Wiemäx versehen - nur eben in allen Komponenten 25 Jahre jünger gemacht. Heute wie damals steht das V4-Aggregat voll im Mittelpunkt, nichts verstellt den Blick auf den Kraftprotz. Im Gegenteil: Die typischen Lufthutzen aus poliertem Alu und die markanten, hoch gereckten Titan-Schalldämpfer lenken den Blick auf das mit 200 PS stärkste Triebwerk der Zweiradwelt. Die Zylinderbänke stehen im engen 65 Grad-Winkel zueinander, leichte Aluminium-Schmiedekolben mit einsatzgehärteten Pleueln bringen einen Hubraum von 1.679 ccm. Innen operiert die gesammelte Yamaha-Ingenieurskunst mit variablen Ansauglängen (YCC-I) und dem Drive-by-Wire-System YCC-T, wohl bekannt aus den Vorzeigesportlern YZF-R1 und R6, und bestens abgeschmeckt mit zusätzlichen Innovationen wie dem zentralen Nockenwellenantrieb über Kette und Zahnräder, der erst die kompakten Zylinderköpfe möglich macht.

Genug der Retrospektive - die Ampelanlage vor uns zeigt endlich Rot, wir flutschen durch die breiten Lücken zwischen den fetten Pickups und SUVs bis nach vorn und besetzen die erste Reihe: Vier nagelneue Yamaha Vmax in einer Reihe mit zu allem entschlossenen Fahrern, beide Beine stabil in den uramerikanischen Teer gestemmt und die Signalanlage vor uns fest im Visier. Wir lauern auf Grün: Beim Startsignal schnalzt die Kupplung rein, der Motor malträtiert den Hinterreifen und mit einem dicken schwarzen Strich katapultiert sich die Yamaha mit uns als mehr oder weniger hilflosen Bündeln von der weißen Startlinie - nichts und niemand kann uns folgen, kein heißgemachter V8-Pickup und keiner der blutleeren Supersportler, die zuvor noch ihre Reihenvierzylinder hyperaktiv aufjaulen ließen. Gnadenlos beschleunigt der Vau-Vier, bis der grell aufleuchtende Schaltblitz im Webcam-Format zum Hochschalten mahnt, einmal, zweimal, dreimal, doch bis zum elektronisch abgeriegelten Höchsttempo von 220 km/h traue ich mich trotz aller Drehfreude dann doch nicht - ein Wochenende im kalifornischen Kittchen stelle ich mir nicht so romantisch vor. Kurz vor der nächsten Kreuzung fangen die beiden mächtigen, mit Wave-Bremsscheiben Sechskolben-Radialzangen das Torpedo locker wieder ein; mit gut kontrollierbarer Wirkung und recht spät einsetzendem ABS, aber ohne den harten Biss, den ihre brachiale Aufmachung eigentlich nahelegt.

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