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Fahrbericht Yamaha YZF-R6
24.06.2008

Sie spaltet die Lager, fährt sich wie ein Zweitakter und bietet dynamischen Fahrgenuss auf höchstem Niveau. Bikersjournal.de nahm sich die Supersport-Kanone zur Brust


Kennste den? Fährt einer Motorrad und gibt den Lappen ab. Diesmal nicht, sagt sich der verantwortungsbewusste Redakteur und reißt sich zusammen. Selbst im Fall der rund-erneuerten, formal gezähmten Yamaha YZF-R6 fällt das alles andere als leicht. R6 ist R6, bleibt R6. Womit die Fronten der Form halber geklärt sein sollten.

Der Kaltstart des Einspritzers geht wie mit geschnaltzter Zunge über die Lippen. Nix schwankt unrund, nix fehlzündet. Dieses Biest will sich selbst bei niedrigen Temperaturen keine Blöße gegen. Die R6 hat zweifelsohne Tischmanieren und man merkt ihr den guten Willen bereits beim Druck aufs Startknöpfchen sofort an.

Neue Kolben, die das Luft-/Gasgemisch bis auf 13,1:1, komprimieren, härtere Ventilfedern für noch mehr Thrill jenseits von Gut und Böse sowie zahlreiche weitere Details sorgen gegenüber dem Vorgängermodell unterm Strich für zwei nominelle Mehr-PS. Ob das den Kohl tatsächlich fett macht? 129 PS ohne, 135 PS mit RamAir - insgesamt also exakt zwei Pferdchen stärker als noch vor einem Jahr bei unverändert 14.500 /min-1.

Eines gleich vorweg: Nein, die zwei PS'chen merkt man nicht. Jedenfalls nicht während der Fahrt zwischen der heimischen Garage und Biker-Café. Zwischendrin, im verschlungenen Kurvenlabyrinth allerdings schon. Dabei sind es nicht die zusätzlichen Pferdchen selbst, schon eher die ... sagen wir nicht gar so rabiate Art der Kraftentfaltung, wie man sie noch von der Vorgängerin her kannte. Zumindest wenn man sich zu jenen Naturen zählt, die die Gänge fleißig ausdrehen. Und wer später bremst, ist schließlich länger schnell. Das war schon immer so, und lässt sich selbst unter der Berücksichtigung wissenschaftlicher Kriterien nicht umkehren.


Die neue R6: Wunderschön und wunderleicht mit Magnesium-Heck und neuer Schwinge. Im tiefen Inneren sorgen neue Kolben, härtere Ventilfedern und ein um 30 Prozent größerer Interferenzrohr-Durchmesser für noch mehr Pepp auf der ganzen Linie. Da sind der eingeschränkte Lenkwinkel und die stramme Sitzhöhe schnell vergessen

Nur übermäßig sensibel sollte man nicht sein. Denn auch die neueste Yamaha R6 will gezwiebelt werden was das Zeug hält. Dabei spielt das Sechsganggetriebe perfekt mit. Locker lassen sich die Gänge durchbeamen. Bedienung des Hand- als auch des Schalthebels könnten leichtgängiger und exakter kaum sein. Dosierbarkeit und Feedback sind trefflich, kein Moment der Unsicherheit. Ein Bike, ein Fahrer, ein Guss.

Und erst das Feeling zum Vorderrad. Als wenn die Fäuste direkt mit der hohlgebohrten Achse verschraubt wären, lässt sich die R6 selbst um komplexeste Radien zirkeln. Vielleicht nicht einfacher, dafür verzeihender als die alte R6. Alles nur Einbildung?

    
Das Japan auch Leckerland sein kann, beweist die 2008er-R6 einmal
mehr aufs Neue. Hightech bis zum Abwinken. Bloß gewinkelte Radventile
und Stahl ummantelte Bremsleitungen, die stünden der Sportlerin auch
noch gut. Okay, okay ... für die Zubehörindustrie soll ja auch noch was
übrigbleiben

Yamaha legte am vorzüglichen Konzept nur dezent die Hände an und verstärkte dazu ganz gezielt den Steuerkopf- sowie den Bereich der Schwingenaufnahme. Weil kompromisslose Steifigkeit jedoch nicht immer der passende Schlüssel zum Erfolg ist, wurde die Wandstärke im Bereich der seitlichen Rahmenausleger verringert. Zudem wurde die Querstrebe hinter dem Luftfilterkasten ersatzlos entfernt. Bereits Erzrivale Honda praktizierte diese Art der Leichtigkeit des Seins schon vor vielen Jahren bei der CBR Fireblade. Heute gehört Abschauen zum Geschäft. Warum nicht?

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