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Schaut man sich das überquadratische Hub-Bohrungsverhätlnis von 92 zu 56,4 mm an, so legt das den Schluss nahe, dass der Motor höher als das Shiver-Maximum von 9.900 Touren zu drehen vermag - mit entsprechend höherer Leistungsausbeute. Tatsächlich hat Aprilia eine ganze Familie um den 750er Twin in der Pipeline, mit noch sportlicheren Modellen. Doch auch schon die 95 Pferchen der Debütmodells reichen aus, um der gestandenen Mittelklasse-Vau-Konkurrenz aus Ducatis 800er Monster und Suzukis SV 650 die Stirn zu bieten.
Ganz abgesehen vom modern-aggressiven Techno-Look der scharfen Optik. Hier finden sich mehr als bloße Andeutungen einer MV Brutale, auch die Kombination aus Stahl-Gitterrohrrahmen mit gegossenen Leichtmetallsektionen um die Schwingenaufnahme hat etwas höchst Attraktives.
Mit 189 kg fällt die Shiver durchaus leichtgewichtig aus, hinzu kommt ein schmaler und niedriger Sitz für einen schon im Stand sehr kontrollierbaren Eindruck. Gut liegt die breite, gold eloxierte Lenkstange in Händen, nur die Rasten sind weiter hinten angebracht als erwartet - beim Fußauflegen ohne Blickkontakt tritt der Stiefel erst mal ins Leere. Genau so sportlich wie die Rastenlage gibt sich die Instrumententafel mit vielen, vom linken Lenkerende aus abrufbaren Informationen. Als Ohrenmassage wirkt die fleischige Vau-Note, die den beiden Underseat-Schalldämpfern entweicht.
Schon auf den ersten rollenden Metern bestätigt die Shiver diesen sportlichen Ansatz, als ich dem Aprilia Testfahrer auf der in engen Kehren ansteigenden Bergstraße folge. Hier ist Druck in der Drehzahlmitte gefragt, und den hat der Aprilia-Twin: Zusammen mit einem sehr präzisen Gasgefühl des Fly-by-wire-Systems drückt die Shiver unten herum durchaus ordentlich, lebt ab etwa 5.000 Touren auf ohne mit hartem Motorlauf oder Vibrationen zu nerven.
Auf den schmalen, verwinkelten Straßen hilft der breite Lenker, die Shiver auf der richtigen Linie durch die Haarnadelkurven zu führen. Das geringe Gewicht und die handliche Auslegung sorgen für reichlich Fahrspaß, obwohl das Lenkverhalten infolge der konservativen Lenkgeometrie mit 25,7 Grad Lenkkopfwinkel und 109 mm Nachlauf nicht sonderlich leichtfüßig vonstatten geht. Doch die Aprilia bleibt sauber auf der Linie und lässt sich mühelos korrigieren, um einem tiefen Schlagloch oder ekligen Bitumenflecken auszuweichen.
Richtig gut fühlt sich die Aprilia in den sich anschließenden weiteren Bögen mit entsprechend höheren Geschwindigkeiten. Bis Tacho 200 geht der Vau recht ordentlich, doch darüber wird's dünn. Für die restlichen rund 10 km/h bis zur Vmax fehlt ihr etwas die Luft, doch ist das bei einem Naked Bike tolerierbar. Solche Hochgeschwindigkeitsetappen sind ohnehin durch den übers Cockpit streichenden Fahrtwind kein Ding von langer Dauer.
Überraschenderweise markiert der saubere Motorlauf bei niedrigen Drehzahlen einen beeindruckenden Aspekt des Shiver-Vau. In puncto Fahrerfreundlichkeit haben Aprilias Ingenieure einen richtig guten Job abgeliefert, oicht nur die gute Fahrbarkeit unten herum, auch das gute Ansprechverhalten des Fly-by-wire-Systems aus dem Stand wie beim kurzen Sprint in der Innenstadt sind herausragende Eigenschaften des Mittelklasse-Twins. Für erfahrene Sportfahrer könnte unten herum indes noch mehr passieren, das machtvolle Öffnen der Drosselklappen unter 5.000 /min-1 bewirkt noch keinen Tritt in den Rücken. Zumindest gehen Wheelies ohne Kupplung schwieriger als man es bei einer 750er erwartet hätte. Bisweilen wirkte zudem das Sechsganggetriebe nicht souverän, beim Schalten landete man des öfteren zwischen den Zahnradpaaren.
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