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von Thilo Kozik Fotos: Hersteller
Das Timing hätte nicht besser sein können: Zunächst verschwand die Sonne hinter leichten Wolken, dann wurde es düster und jetzt schwärzt sich der Himmel bedrohlich. Plötzlich klatschen dicke Regentropfen gegen mein Visier, und der typische Geruch frischen Regens erfüllt die Luft - just in dem Moment, als ich hinter meiner Gruppe Aprilia Shiver-Tester zum Abschluss der Testrunde auf den Hof des italienischen Schlösschens einbiege, das den Veranstaltern als Basislager dient.
Augenblicke später öffnet der Himmel seine Schleusen, begleitet von lautem Donnergrollen und heftigen Windböen. Und ich sinniere erfreut darüber, dass die Shiver schnell und handlich genug war, die Testroute gerade noch rechtzeitig beenden zu können, bevor ich durchweicht werde.
Darf das pünktliche Eintreffen der SL750 Shiver vor dem großen Regen als perfektes Timing betrachtet werden, so ist das Motorrad als solches doch längst überfällig gewesen. Zur Erinnerung: Vor neun Jahren stieg Aprilia mit der RSV Mille ins Superbike-Segment ein; mittlerweile ist es bereits fünf Jahre her, dass die nackte Tuono das Portefeuille ergänzt. Doch erst jetzt kommt Aprilia mit dem 750er Roadster, der die Lücke zwischen den großen 998-Kubik-V-Twins und den kleineren Einzylindern der Marke schließen soll. Somit kommt der Shiver im Aprilia-Programm der Status eines Einstiegs-Big Bikes zu, das mit ausreichend Leistung auch erfahrene Motorradfahrer ansprechen kann.
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Doch nicht nur deshalb ist die SL für Aprilia von besonderer Wichtigkeit: Nach den Rotax-befeuerten RSV- und Yamaha-motorisierten Pegaso-Modellen ist sie das erste größere Motorrad mit einem selbst entwickelten und gefertigten Antrieb. Dafür zeichnet Aprilias Mutterunternehmen Piaggio verantwortlich, das sich gegen die bisherige Einkaufs-Strategie Aprilias entschieden hat und von nun an die Aggregate im firmeneigenen Motorenwerk selbst fertigt.
Beim Motorenlayout selbst orientiert sich die SL750 ganz bewusst bei der großen RSV Mille, der flüssigkeitsgekühlte dohc-Vau-Motor hat sich mittlerweile zu einem Markenzeichen von Aprilia-Motorrädern gemausert. Doch sind die Shiver-Zylinder im Winkel von 90 statt 60 Grad gespreizt, zudem ersetzt eine Nasssumpfschmierung den Trockensumpf. Die Steuerung der vier Ventile erfolgt per Steuerkette zu einem zentralen Zahnrad, das die beiden Nockenwellen antreibt. Wichtigste technische Neuerung der Shiver ist ihr Fly-by-wire-System. Ähnlich wie bei Yamahas R6 und R1 sowie KTMs 690SM steuert bei der Shiver eine Elektronik die Drosselklappen. Aprilia nutzt dafür ein Duo Steuergeräte und zahlreiche Bauteile aus der Automobilwelt. Im Gegensatz zu anderen Systemen verzichten die Italiener auf einen mechanischen Schließ-Zug und verlassen sich gänzlich auf Kabel zur Kommunikation zwischen Gagriff und Drosselklappen.
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