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Yamaha 1300 Midnight Star
28.01.2007

Midlife Cruiser



Text und Fotos: Ulrich Hoffmann

Cruiser stehen meist im Schatten supersportlicher Heizeisen. Dass dies jedoch nicht immer gerechtfertigt sein muss, beweist die komplett neue Yamaha XVS 1300 A Midnight Star.

Sie ist breit, schwer und leistet 73 PS. Zu wenig, um auf den Magen zu schlagen. Jedoch genug, um sich flott von einer Geraden auf die nächste wuchten zu lassen. Vorausgesetzt, die Radien sind groß genug.

Brav brabbelt der wassergekühlte Kurzhub-V2 vor sich hin. Nicht mal der Nachbar fällt aus dem Bett. Trotz mächtiger Ausmaße gibt sich die Yamaha XVS 1300 A Midnight Star für solch einen Trümmer umgänglich. Wir haben's laufen lassen, die Trittbretter durchgeschliffen und mit dem gut sechs Zentner schweren Trumm einen Offroad-Ausflug gewagt. Notgedrungen. Denn irgendwann ging einfach die Straße aus.

Der riesige Hirschgeweih-Lenker peitscht von links nach rechts und umgekehrt. Feuchter Dreck bahnt sich längsseits des Kotflügels seinen Weg gen besagter Trittbretter. Wenn ein Koloss durch den Acker pflügt, sollte man sehen, dass man Grip gewinnt. Ich habe nichts gegen Trittbretter. Allerdings etwas gegen lange, rahmenfest und nur wenige Zentimeter von der Fahrzeuglängsachse einzementierte Stahlstoppen, die tiefere Schräglagen von vornherein unmöglich machen.


Mittelklasse mit 1.300 ccm: Die 73 PS starke XVS Midnight Star. Mittlerweile typisch für Yamaha-Cruiser ist der wartungsarme
Zahnriemenantrieb, der den schweren und reaktiosnstärkeren Kardan der Virago-Modelle ersetzt.


Okay, ich höre auf zu schimpfen und bewege die Yamaha Midnight Star so, wie es sich für einen Cruiser ziemt. Normalerweise. Denn eigentlich gibt sich die Fuhre recht agil. Kaum zu glauben, wie easy sich der Cruiser selbst im unnötig vorverlegten Grenzbereich bewegen lässt. Mitunter ein Verdienst der 'sportlichen' Gewichtsverteilung von 48 zu 52 Prozent (vo./hi.) und des selbst tragend ins Stahl-Chassis integrierten Motors.

Nur allzu gern ertappt man sich dabei, wie man nicht nur irgendwie vor sich hinschnurrt, sondern beginnt, richtig Motorrad zu fahren. Respekt! Das ist in der Oberklassen-Geschütz-Liga keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Mit der 1300er lassen sich auch herrliche Wechselkurven vergleichsweise zügig durchswingen. Als ideales Fortbewegungstempo hat sich der Bereich zwischen 70 und 100 km/h herauskristallisiert.

Und immer wieder mahnt das aufdringliche Kratzen zu mehr Zurückhaltung. Besser noch einen Gang zurückschalten. Das Fünfgang-Getriebe inklusive Overdrive sträubt sich jedenfalls nicht, wenngleich das Rückdrehmoment dem landläufigen Begriff 'Motorbremse' doch alle Ehre macht. Der erste Gang will bewusst eingelegt werden und gibt sogleich ein akustisch-fettes Feedback. In der City muss meist der zweite, maximal dritte Gang herhalten. Wer die vierte oder fünfte Gangradpaarung bevorzugt, ist in der Regel im flottem Landstraßen- oder Autobahntempo unterwegs. Dort treibt es die Midnight Star bis hinauf zu beachtlichen 185 km/h - laut Tacho. Den letzten Gang bevorzugt man lediglich in flotten BAB-Passagen mit Gefälle - oder eben zum Cruiser-Bummel-Touren ab 80 km/h.

Die Instrumenten-Aufnahme ist ne Wucht. Selbst ein Blinder ohne Krückstock würde erkennen, dass es dazu keiner Tachowelle bedarf.

 BIKERs JOURNAL 2007-01 - 23-02-07 17:06
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