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Text und Fotos von Marion und Rudi Englert
Die 1000er stehen heuer hoch im Kurs. Die Sportler mit 600 Kubik sind dabei leicht ins Hintertreffen geraten. Zu Unrecht. Denn die kleinen Renner haben Einiges zu bieten. So auch die neue ZX-6 R. Die Kawasaki-Techniker haben ihr eine Radikalkur verpasst, und fast keinen Stein auf dem anderen gelassen. Nicht nur mit einer neuen Optik, auch mit einer grundlegend technischen Überarbeitung wurde ein weiterer Schritt in die richtige Richtung getan. Nämlich die, sich die Krone in der 600er Klasse aufzusetzen. Oberstes Gebot war dabei eine der schnellsten 600er aller Zeiten zu entwickeln, und dazu braucht man Leistung. Um noch mehr Power aus dem 636 ccm Aggregat herauszukitzeln, wurden Verdichtung erhöht, die Ventile vergrößert und der Brennraum verändert, die Ansaugwege verkürzt und sämtliche Motorbauteile einer Gewichtsreduktion unterzogen.
Die doppelte Einspritzung führt zu einem weicheren Lastwechselübergang und in Verbindung mit den neuen ovalen Drosselklappen zu noch mehr Drehmoment im mittleren Drehzahlbereich. Zu guter Letzt hat man der 6er noch eine neue Nockenwelle mit schärferen Steuerzeiten spendiert. Alles in allem bieten diese Veränderungen nicht nur eine höhere Leistung, sondern tragen auch zu einem verbesserten Drehmoment im mittleren Drehzahlbereich bei. Man könnte beinahe meinen, auf einer 750er zu sitzen. Im Angriff auf der Rennstrecke besonders hilfreich ist die neue Anti-Hopping-Kupplung. Sie vermeidet beim harten Anbremsen ein stempelndes Hinterrad. Die Kupplung lässt sich jederzeit perfekt dosieren und gibt selbst nach härterem Einsatz keinen Anlass zu Kritik. Fadingfrei und punktgenau arbeiten die beiden Radial-Stopper im Vorderrad. Exakt und mit wenig Nachdruck lässt sich die Schaltbox bedienen.
Kein Wunder also, dass die Zeichen ganz auf Großangriff stehen. Die 1000er-Treiber werden sich in Zukunft wundern, wie lange die 600er-Piloten im Rückspiegel zu sehen sind, besonders beim deftigen Kurvengeigen. Zwar wird man nichts dagegen unternehmen können, dass die 1000er weiterhin auf der Geraden vorbei blasen, dass es einem fast den Helm runterreißt, doch im direkten Rennstreckenvergleich stecken die 6er im Rundenzeitenvergleich kaum noch zurück.
Die Verkleidung wurde auf guten cw-Wert getrimmt, der Auspuff zentral ins Heck verlegt. In den Genuss dieses aerodynamischen Vorteils kommen in erster Linie Fahrer mit einer Körpergrößer unter 1,75 Meter. Darüber stehen Arme, Knie und der Kopf erheblich über die Verkleidung hinaus.
Bei der Fahrt auf der Autobahn begeistert dann wieder der aggressive Motor mit enorm viel Druck ab 10.000 /min-1. Das RamAir erhöht die Leistung oberhalb 200 km/h um zusätzliche sechs PS. Schon nach kurzer Zeit stehen im fünften Gang 260 km/h auf der Uhr. Wer anschließend den sechsten und letzten Gang einlegt, erreicht wenig später eindrucksvolle 285 km/h - zumindest laut Tacho.
Allerdings verliert das Aggregat nach Überschreiten der 10.000er Marke auf dem Drehzahlmesser seine guten Manieren. Ab jetzt schreit es wie ein auf Höchstleistung getrimmter Rennmotor und legt auch bei den Vibrationen deutlich zu. Nur die absoluten Hardcore-Racer werden sich über mehrere hundert Kilometer auf der Autobahn in diesem Bereich aufhalten (Ohrenstöpsel nicht vergessen). Um solche Geschwindigkeiten in den Griff zu bekommen, wurden Bremsen vom Allerfeinsten verbaut. 300 Millimeter große Bremsscheiben im Wave-Design, halbschwimmende Vierkolben-Bremssättel, gepaart mit einer Radialbremspumpe, lassen keine Wünsche offen und verzögern so brachial, dass man jederzeit Herr der Lage ist.
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