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von Ulrich Hoffmann
Die Zeiten ändern sich. Immer mehr Frauen entdecken den Spaß am Zweirad, wollen sich jedoch weder mit stiefmütterlichen Leistungsangaben noch mit unvernünftigen Konzepten zufrieden geben. Männliche Biker wollen hingegen nicht zwangsläufig ein hoch gezüchtetes und obendrein teueres Big Bike. Schließlich nutzen nur die wenigsten Fahrer das Potenzial 70 PS aufwärts wirklich aus. Ein ABS bietet, mit Ausnahme von BMW, kein anderer Hersteller in der Mitteklasse an. Auch dem Thema Ergonomie und Alltagstauglichkeit widmete man sich vornehmlich in der prestigeträchtigen Oberliga. Von preisgünstigen Angeboten konnte man jedoch nicht wirklich sprechen. Honda will aufräumen und besetzt mit den neuen CBF 600 nicht nur irgendeine neue Nische, sondern reanimiert genau genommen die Mittelklasse. Ein Angebot, dass nicht nur für Einsteiger(innen) interessant ist. Mit offen 57 kW/78 PS bietet sie auch routinierten Fahrern eine gute Grundlage, um souverän den Alltag zu meistern. Die Honda CBF 600 sowie ihre verkleidete Schwester, zu erkennen am "S" in der Typenbezeichnung, bieten viel Motorrad fürs Geld: ABS und Hauptständer gegen 600 € Aufpreis, dreifach verstellbare Sitzbank, U-Kat, 600 ccm großem Reihenvierzylinder und die kostenlose Option zur Drosselung auf 25 kW/34 PS. Mit 6.190 € fällt der Grundpreis erfreulich günstig aus. Das verkleidete S-Modell ist 300 € teurer. Als Antrieb dient der flüssigkeitsgekühlte Vierzylinder, der auch in der Hornet 600 zum Einsatz kommt, hinsichtlich verbesserter Umgangsformen im unteren Drehzahlbereich jedoch optimiert wurde. Das fühlt sich in der Praxis gut an, man vermutet gut und gern über 80 PS. Die Abstimmung des Vergaser-Motors ist gelungen, Lastwechselreaktionen sind nur in geringem Maße spürbar. Ein braver, jedoch keineswegs langweiliger Geselle.
So ganz lassen sich die Hornet-Gene, die ihren Ursprung in der sportlichen CBR 600 F3 haben, nicht verbergen. So fällt die Gasannahme zwar nicht so spontan aus, lässt sich dafür gefühlvoller dosieren. Bis rund 8.000 /min produziert die CBF mehr Leistung als die Hornet. Erst darüber ist das Defizit zu bemerken. Ein Bereich, der von den meisten Fahrern eher selten genutzt wird. Die Stärken der CBF 600 liegen im mittleren Drehzahlbereich zwischen 4.000 und 8.000 /min.
Handlich und neutral präsentiert sich das 17"-Fahrwerk. Der Stahlrückgratrahmen wird in nur leicht modifizierter Form auch in der zweizylindrigen CBF 500 verwendet. Schlüssel zum einfachen Umgang ist der schlanke 160/60-Michelin Pilot Road-Pneu am Hinterrad. Ideal für Fahrschüler, Wiedereinsteiger und Alltagsfahrer - oder einfach für die, die keine Lust haben, permanent gegen das Aufstellmoment eines Breitreifens anzukämpfen.
Fahrfertig bringt es die CBF 600 S auf 224, das unverkleidete Modell auf 219 Kilogramm. Im Fahrbetrieb sind die rund 20 Kilo Mehrgewicht gegenüber der Hornet-Schwester kaum spürbar. Mit Vario-Sitzbank kann die Sitzhöhe auf 770, 785 und 800 Millimeter entsprechend der Körpergröße eingestellt werden. Die Sitzbank geriet recht breit und ist bequem. Auch der Sozius fühlt sich wohl. So macht die CBF selbst auf längeren Etappen Spaß. Insbesondere das S-Modell, dessen Verkleidung sich innerhalb kurzer Zeit zweifach einstellen lässt, ist hier im Vorteil.
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