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Fahrbericht Yamaha YZF-R6
05.06.2010

Feuerzangenbowle


Sie ist klein, stark und ungemein flink. Genau die richtige Mixtur, um größeren Boliden auf der Landstraße ordentlich einzuschenken. In der überarbeiteten Version des 2010er Modells kommt die Yamaha YZF-R6 in den Genuss eines neu programmierten Motormanagements. Zu den Modifikationen gehört auch ein neuer Schalldämpfer. Alles zusammen soll für eine bessere Kraftentfaltung über den gesamten Drehzahlbereich sorgen.

Nun gibt es kaum ein radikaleres Sportgerät von der Stange, als eine R6. Ihr Lenkeinschlag ist gewohnt knapp, die Sitzhöhe mit 850 Millimetern nicht wirklich prädestiniert für eine Kaffeefahrt und spätestens nach dem ersten Tankstopp zweifelt auch die verliebteste Sozia an den Tourerambitionen des 600er-Supersportlers. Für Sightseeing-Ausfahrten gibt's de facto bessere Motorräder.

Wer jedoch auch nur ein einzelnes Racing-Gen in sich hat, wird die Vorzüge eines der faszinierendsten Sportbikes nicht von der Hand weisen können. Der 124 PS starke und 65,7 Nm kräftige Reihenvierzylinder hängt unglaublich spontan am Gas und brennt auf Wunsch ein beeindruckendes Feuerwerk ab, dass sich nicht nur sehen, sondern auch vorzüglich hören lassen kann. Im Vergleich zum Vorgänger fordert das aktuelle Modell das Verständnis der Nachbarschaft zum Glück nicht mehr gar so sehr heraus.

Überhaupt gestaltet sich der Umgang mit dem fahrfertig 189 kg leichten Extremsportler insgesamt spürbar einfacher als früher. Trotzdem die neue R6 nur in einigen Details verändert wurde, ist der kräftigere Antritt im unteren und mittleren Drehzahlbereich sofort nachvollziehbar. So reicht es für zügige Überholvorgänge durchaus, auch nur einen Gang - statt wie früher derer zwei - im trefflich zu bedienenden Sechsganggetriebe herunterzuschalten. Den aufwändigen Einlasssystemen YCC-I und YCC-T zur Kontrolle eines möglichst laminaren Luftstroms sei Dank. Dennoch lässt die Nenndrehzahl von 14.500 U/min keinen Zweifel daran, dass die R6 für kompromisslose Sportfahrer gedacht ist. Unter diesem Gesichtspunkt macht die serienmäßige Anti-Hopping-Kupplung Sinn, die auch derbes Herunterschalten vor dem Kurveneingang willig verzeiht.

Hat sich der Pilot erstmal mit der fahraktiven, frontlastigen Sitzposition arrangiert, beginnt man die Yamaha mehr und mehr zu genießen. Wie ein frisch geschliffenes Messer schneidet sie durch Kurven jeder Art, lässt sich durch nichts und niemanden beirren und gibt dem Fahrer erstklassige Infos darüber, was unter ihm los ist. Die in jede Richtung verstellbaren Federelemente lassen sich auf unterschiedlichste Fahrertypen individuell einstellen.

 

Ebenso perfekt geben sich die beiden Vierkolben-Radial-Stopper im Vorderrad. Druckpunkt und Dosierbarkeit sind Referenzklasse. Auf ein ABS verzichtet der Hersteller ganz bewusst. Zu den Sahnehäubchen zählen zweifellos der stabile Delta Box-Brückenrahmen aus Aluminium sowie die aufwändig geformte Hinterradschwinge aus Magnesium. Wohin der Blick auch schweift findet der Betrachter feinste Materialien in hochwertiger Machart.

Das Thema Kraftstoffverbrauch hängt freilich stark vom Verhalten des Fahrers ab. Im Mittel konsumiert die R6 6,5 Liter Superkraftstoff je 100 Kilometer - angesichts der gebotenen Fahrleistungen nicht zu viel. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 265 km/h bewegt sie sich in Big Bike-Sphären. Besonders erfreulich ist, dass die Vorteile des 2010er-Modell Land- als auch Rennstreckenfahrern zugute kommen.

FAZIT
Zu keiner Zeit ließ sich die Yamaha YZF-R6 einfacher und bekömmlicher genießen. Der ehemalige Giftzwerk wurde umgänglicher. Glücklicherweise hat sie nichts von ihrem sympathischen Charme verloren. Dass es schon immer etwas teurer war, einen besonderen Geschmack zu haben, ist nicht weiter dramatisch. Denn so oder so ist die R6 jeden Euro wert. Es kommt halt nur auf den Standpunkt an. (uh)

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