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Fahrbericht: Yamaha XJ6 Diversion F ABS
02.04.2010

Soll noch einer sagen, Mittelklasse-Motorräder seien langweilig oder gar überteuert. Mit der neuen XJ6 Diversion F ABS hat Yamaha wieder eine 600er im Programm, die das Zeug zum Topseller hat. "S'geht doch!", sprudelt es aus meinem Emo-Zentrum über meine zufrieden angestellten Mundwinkel gegen das geschlossene Visier des Integral-Helmes, so dass es sanft beschlägt.

Mit der neuen XJ6 knüpft Yamaha wieder an bewährte Tugenden an. Gut, günstig, und bewährt, um jeden Tag zeitlosen Spaß in den Backen zu haben. Weder supersportlich, noch hochtechnisiert, dafür funktionell, ohne brav daherzukommen ... einfach, schick und gut soll ein Motorrad für jedermann respektive -frau sein. Gerade in schwierigen Zeiten wie heute kommt es einem Spagat gleich, der insbesondere der Rot-Stift-Fraktion die ein oder andere Falte auf die Stirn treibt. Doch sei's drum ... zunächst ein Rückblick.

Die Familie ist die älteste aller Gemeinschaften. Im Fall der Yamaha XJ-Baureihe besteht dieser Band immerhin seit beachtlichen 30 Jahren. Man schrieb das Jahr 1980, als die erste XJ, es war die XJ 650 mit Kardanantrieb, auf der IFMA in Köln der Weltöffentlichkeit vorgestellt wurde. Seitdem ist reichlich Wasser den Rhein hinuntergeflossen. Die Motorradszene hat sich verändert ... stark verändert. Es war damals genau jene Zeit, als aus dem Weltanschauungsobjekt Motorrad ein Freizeitobjekt gemacht wurde. Ein Jahr später folgte die XJ 550, im Ausland gab es auch schon die XJ750 Seca, 1982 dann eine turbo-aufgeladene Fassung der XJ650, 1983 schließlich die XJ900 - seinerzeit noch mit dem Beinamen 'Strider'. Die Yamaha XJ-Modelle waren in alle Munde, überzeugten seit jeher durch ihre Ausgewogenheit. Es dauerte nicht lange und das bikende XJ-Volk wurde zu einer eingeschworenen Gemeinde. Zu einer, die weder Regen noch Winter scheute. XJ-Fahrer traf man immer und überall. Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre wurde der Generationenwechsel immer offensichtlicher. Dem begegnete Yamaha 1992 mit der XJ 600 S Diversion, die sich zunächst trefflich verkaufte. Kaum eine Fahrschule, die kein Exemplar im Fuhrpark hatte.

Zwischen Retro und Supersportler
Seinerzeit war gerade der Retro-Look völlig angesagt. Kühlrippen waren wieder in und die Stunde der Naked Bikes war gekommen. Motorräder wurden plötzlich nicht mehr nur nach ihrer Funktion beurteilt und gekauft. Die Optik spielte nicht selten eine immer wichtigere Rolle. Kawasaki schoss sich auf die Zephyr-Modelle mit 550, 750 und 1100 ccm Hubraum ein und Suzuki landete mit den Bandit-Modellen einen Volltreffer nach dem anderen. Honda legte die wassergekühlte CB 1000 Big auf - und erlitt mächtig Schiffbruch. Parallel zur vergleichsweise braven XJ-Baureihe präsentierte Yamaha 1985 die sportlichere FZ750, aus der der erste Supersportler des Hauses entwickelt wurde und zwei Jahre später schließlich in den Schaufenstern stand: die FZR 1000 Genesis war geboren. Seit 1998 gibt es R1en und die 750 ccm-Klasse ist mittlerweile so gut wie ausgestorben ... aber das ist eine andere Geschichte. Denn zwischendurch etablierten sich auch potente 600er-Bikes am Markt .. angeführt von der Kawasaki GPZ600R. Motorräder gingen weg wie geschnitten Brot.

Mit Erscheinen der ersten XJ600 Diversion zu Beginn der Neunziger hatte sich das Publikum grundsätzlich gewandelt. Von der weiblichem Emanzipation über Retro-Bikes hin zu einsteigerfreundlichen Bikes, die nach Möglichkeit ordentlich was hermachen sollten. Ducati kam mit der Monster - und schrieb damit die bislang erfolgreichste Geschichte des italienischen Motorradherstellers. Überhaupt war es die Zeit für Nischenprodukte. 1995 zauberte Yamaha schließlich die XJR1200 aus dem Hut. Ein charmantes Big Bike vom alten Schlag. 1999 wurde der Hubraum schließlich auf 1300 ccm aufgestockt.

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