Die Sichtkontrolle vor der Probefahrt

Worauf beim Motorradgebrauchtkauf zu achten ist

Die Motorradsaison läuft bereits auf vollen Touren, das Wetter stimmt und nur der Kauf der Maschine fehlt noch? Trotz der Vorfreude auf viele Kilometer kurviger Land- und Bundesstraßen sollte gerade beim Kauf von gebrauchten Motorrädern etwas Vorsicht walten.

Worauf beim Motorradgebrauchtkauf zu achten ist

Auch wenn der § 434 des BGB besagt, dass eine Sache beim sogenannten Gefahrübergang, also in diesem Fall der Übergabe der Maschine vom Verkäufer an den Käufer, frei von Sachmängeln sein muss bzw. die vereinbarte Beschaffenheit zu besitzen hat, so sollte hier Kontrolle vor Treu und Glauben stehen. Sicherlich kann der Verkäufer bei verschwiegenen Mängeln oder selbst bei Mängeln, die er oder sie zum Verkaufszeitpunkt nicht kannte, aber vorhanden waren, haftbar gemacht werden. Doch Rückabwicklung oder Kaufpreisminderungen bei Barzahlungsgeschäften, wie es bei Gebrauchtfahrzeugen nach wie vor üblich ist, können viel Zeit in Anspruch nehmen und die Motorradsaison verstreichen lassen, ohne dass auch nur 1 Kilometer gefahren wurde.

Eine Checkliste für die Besichtigung und die Probefahrt kann helfen, die schlimmsten Mängel, wenn vorhanden, an einem Gebrauchtmotorrad zu erkennen. Einfach Punkt für Punkt abarbeiten, um so auf einer sachlichen Grundlage die Kaufentscheidung herbeizuführen.

Die Sichtkontrolle vor der Probefahrt

Die Sichtkontrolle vor der Probefahrt

1. Der Gesamteindruck

  • Entspricht das Motorrad den Angaben oder den Bildern im Inserat?
  • Ist das serienmäßige Zubehör wie Bordwerkzeug noch vorhanden?
  • Alle zum Motorrad gehörigen Schlüssel vollzählig?

2. Armaturen, Beleuchtung, Tank

  • Serienmäßige Armaturen da und unbeschädigt?
  • Laufleistung auf dem Tacho stimmt wie angegeben?
  • Lichtanlage wie Auf- und Abblendlicht, Blinker und Bremslicht funktionieren?
  • Der Tank ist innen frei von Rost? (Taschenlampe nicht vergessen, hilft auch bei der weiteren Prüfung).

3. Die Batterie

  • Keine Ablagerungen an den Polen der Batterie?
  • Ist das Alter der Batterie erkennbar?

4. Auspuffanlage, Bremsen und Reifen

  • Falls nicht serienmäßige Tuning-Auspuffanlage? EG-Betriebserlaubnis oder eingetragen?
  • Profiltiefe der Reifen prüfen, gesetzl. Minimum 1,6 mm, mehr ist besser.
    Wie alt sind die Reifen?
  • Bremsleitungen auf auslaufendes Öl untersuchen
  • Bremsscheiben ohne Rillen oder Riefen?
  • Rückstellung der Bremshebel testen.

5. Kette bzw. Kardanwelle, Lenkkopflager, Federbeine

  • Kettenspannung i. O.? Auf die Skala des Kettenspanners achten.
  • Kettenrad und Ritzel stark abgeschliffen? (Haifischzähne)
  • Manschette am Kardan dicht? Kein Spiel am Kardangelenk?
  • Lenkkopflager durch Rütteln des Lenkers auf Spiel prüfen.

6. Räder und Standrohre der Maschine

  • Durch das Rütteln der Räder an der aufgebockten Maschine deren Lager prüfen.
  • Sind alle Speichen da und unter Spannung?
  • Bei Alufelgen: Risse oder starke Schrammen zu erkennen?
  • Die Standrohre zeigen kein Auslaufen von Öl?

Wichtige Punkte bei der Probefahrt

  1. Kaltstartverhalten prüfen. Mit dem Verkäufer vorab vereinbaren, dass die Maschine von ihm oder ihr nicht warm gefahren wird.
  2. Stark vibrierende Armaturen beim Beschleunigen? Nachfragen, wieso dies so ist
  3. Geradeauslauf testen, ein Abweichen von der Spur kann einen Rahmenschaden bedeuten.
  4. Ein sirrendes oder surrendes Geräusch während der Fahrt? Hinweis auf abgeschliffene Zahnradpaarungen. Rasselt es hingegen, könnte die Steuerkette verschlissen oder nicht sauber eingestellt sein. Beides zusammen ist ein ganz schlechtes Zeichen. Abgenutzte Kupplungsbeläge oder eine nicht richtig eingestellte Kupplung zeigt sich durch das Durchrutschen beim Schalten in den höheren Gängen.
  5. Erzeugt das Motorrad während der Fahrt dicke blaue Rauchfahnen, sind entweder die Ventilschaftdichtungen durch Ablagerungen undicht oder die Kolbenringe sind abgeschliffen. Das kann teuer werden.

Fazit

Eine Checkliste ist gut, Fachkenntnis noch besser. Es lohnt sich, neben der Checkliste einen emotionsfreien Kollegen mitzunehmen, der eine zweite Meinung zum Zustand der gebrauchten Maschine abgibt. Auch bei Probefahrten gilt: Unbedingt mit Motorradhelm durchführen. Aktuelle Modelle gibt es zum Beispiel bei www.helmexpress.com.